Schneeengel-Portrait

Lichterketten hängen an den Häusern, in den Fenstern und an den Bäumen, die Straßen sind weiß, kein Schneeschieber räumt die Straßen frei und alles sieht so friedlich aus wie in einem Bilderbuch. Genauso sieht Weihnachten in Filmen aus, für mich ein wunderschönes Bild. Unvorstellbar, dass ich noch nie weiße Weihnachten erlebt habe! Dafür habe ich dieses Jahr mein ganz persönliches Weihnachtswunder erlebt.

Ein bisschen gemein

Draußen ist es schon dunkel. Das Weihnachtsessen und der Tisch sind abgeräumt, die Kinder sitzen vor dem Kamin und widmen sich ihren Geschenken. Mein Mann sitzt gemütlich mit einer heißen Tasse Schokolade in seinem Sessel und kommt aus dem Lachen nicht mehr raus. Während unsere 12-jährige Tochter Sophia mit ihrer neuen Polaroid-Kamera ein paar Selfies knipst, hat sich unser 14-jähriger Sohn Tobias so eine neue Virtual-Reality-Brille gewünscht, die findet er ganz cool. Irgendein Technik-Schnick-Schnack, der in seiner Schulklasse wohl ziemlich angesagt ist. Ich verstehe zwar nicht ganz, was an diesem Trend dran ist, aber es scheint ihm zu gefallen, denn während er die Brille auf der Nase hat, macht er die komischsten Bewegungen. Dass er noch nicht gegen den Wohnzimmertisch gelaufen ist, wundert mich. Plötzlich springt Tobias auf und legt einen kleinen Sprint hin. So schnell, wie er aufgesprungen ist, hört man auch schon einen Knall. „Ich glaube, da hat er voll die Terrassentür erwischt“, sagt unsere Tochter Sophia lachend. Wir kriegen uns vor Lachen alle nicht mehr ein. Ich weiß, das ist ein bisschen gemein, aber es geht einfach nicht anders, die Situation ist wirklich urkomisch! Mein Mann wischt sich ein paar Lachtränen  aus dem Gesicht, läuft zu unserem Sohn und hebt ihn hoch, da dieser durch die Wucht des Aufpralls auf dem Hintern gelandet ist. Tobias nimmt die VR-Brille vom Gesicht und versteht die Welt nicht mehr. Er guckt sich um, sieht unsere lachenden Gesichter und fängt ebenfalls an zu lachen.

Das erste Mal weiße Weihnachten!

„Oh Mama, sieh mal!“, ruft Tobias plötzlich  und zeigt mit dem Finger in den Garten. Neugierig stehen wir auf, drücken unsere Nasen gegen die Scheibe der Terrassentür und blicken auf den weißen Rasen und auf die großen  Schneeflocken, die sanft vom Himmel fallen. Unser Garten sieht wie gepudert aus, alles glänzt im Licht der Straßenlaternen. Ein überwältigender Anblick für mich, denn mit weißen Weihnachten habe ich überhaupt nicht gerechnet. Mein Mann klatscht begeistert in die Hände. „Los, los, los! Anziehen! Wir gehen raus!“ Nicht nur die Augen unserer Kinder sind am Leuchten, sondern auch meine, denn heute erlebe ich tatsächlich das erste Mal weiße Weihnachten! Blitzschnell stehen wir alle im Flur, schlüpfen in Jacken und Handschuhe und setzen noch schnell die Mützen auf.

Ganz still im Schnee

Wie kleine Kinder rennen wir glücklich durch den Schnee, fangen Schneeflocken mit der Zunge und machen eine kleine Schneeballschlacht. Wir sind die einzigen weit und breit. Was für ein Glück! So sind unsere Fußspuren die ersten  im frischen Schnee. Dieses Knirschen von Schnee unter den Füßen ist einfach magisch und für mich ein Gänsehautmoment. In meiner Kindheit, an der Küste Italiens, gab es nur selten Schnee. Umso schöner ist es jetzt für mich, meine erste weiße Weihnacht zusammen mit meiner Familie erleben zu können. Ich bin gerührt von diesem Moment und Tränen steigen mir in die Augen. Mein Mann sieht mich liebevoll an, nimmt mich an der Hand und führt mich zu einer schneebedeckten Wiese. Denn was darf bei einem schönen Schneespaziergang natürlich nicht fehlen? Richtig, ein Schneeengel! Wir lassen uns rückwärts in den Schnee fallen. Es dauert natürlich nicht lange, da liegen Sophia und Tobias neben uns und bewegen ihre Arme und Beine im Schnee auf und ab.

Unser erstes Schneeengel-Familienportrait. Für ein paar Sekunden liegen wir ganz still im Schnee, blicken in den Himmel und spüren die Schneeflocken auf unseren Gesichtern. Mein Mann steht als erster wieder auf und zieht uns nacheinander hoch. Gemeinsam bestaunen wir unser Portrait. „Kann so bleiben“, nickt unsere Tochter zufrieden, auch wenn die Engel von meinem Mann und mir eher so aussehen, als wären sie eins. „Ihr seht aus, als hättet ihr viel zu viele Plätzchen gegessen“, höre ich unseren Sohn lachen. Bei dem Wort Plätzchen fällt mir ein, dass wir noch zwei große Dosen Gebäck von meiner italienischen Familie zu Hause haben. Ich kneife Tobias in seine kalten, roten Backen und ziehe ihm die Mütze runter, um ihn zu ärgern. „Wer zuerst bei den Plätzchen ist“, flüstere ich ihm ins Ohr. Nur wenige Minuten später kommen wir beide vor unserem Haus an, ich ehrlich gesagt ziemlich außer Puste. Glücklich strubbele ich Tobias durch die Haare und stelle wieder einmal fest, wie groß unser Sohn ist, der mich in Sachen Körpergröße mit seinen 14 Jahren schon längst überholt hat. Ein paar Sekunden später kommen auch Sophia und mein Mann hinterher. Zufrieden schaue ich in die Gesichter meiner Familie, ein Gefühl von Dankbarkeit und Liebe erfüllt mich.

Cantuccini und Panettone einzigartig zubereiten

Im Haus ist es schön warm.  Wir kuscheln uns auf dem Sofa zusammen, genießen die Wärme des Kamins und einen Teller mit Plätzchen. Gut gelaunt und erschöpft reichen wir uns die Plätzchen nacheinander weiter. Habe ich schon erwähnt, dass ich die Weihnachtszeit liebe? Aber nicht nur wegen des Schnees, der Weihnachtsmärkte und der gemütlichen Momente zu Hause, sondern auch wegen der Plätzchen! Bei süßen Leckereien werde ich einfach schwach, vor allem bei dem Gebäck meiner italienischen Großmutter. Nur sie konnte Cantuccini und Panettone einzigartig zubereiten, Standard-Rezepte kannte meine Nonna nicht. Diese waren ihr immer zu langweilig. Also hat sie einfach Kräuter aus dem eigenen Garten genommen und die Rezepte mit ihrer persönlichen Note verfeinert. Die Ergebnisse waren und sind einfach himmlisch. Hast du schon mal italienisches Gebäck gegessen? Falls du das selber einmal ausprobieren willst oder auch Lust auf andere winterliche Köstlichkeiten hast, verrate ich dir hier die Rezepte meiner Nonna. Ich hoffe, dass der Schnee über Nacht liegen bleibt. Ein weiterer Tag mit Schneespaziergängen und Lieblingsplätzchen wäre einfach wundervoll.