Den Puderzucker-Fußspuren auf den Fersen

Oma ist einfach die Beste! Findest du nicht auch, dass das stimmt? Meine Oma hat mich zum Beispiel immer bei „Mensch ärgere dich nicht“ gewinnen lassen oder mir aus meinem Lieblingsbuch vorgelesen. Bei ihr gab es auch immer Eis. Egal ob Sommer oder Winter, das Eisfach war immer gefüllt. Aber nicht nur das erinnert mich an meine Oma, auch eine andere, ganz besondere Jahreszeit erinnert mich immer wieder an sie.

Prinzessin in der Bäckerei

Faschingszeit ist Kräppel-Zeit! Ist das bei dir auch so? Zumindest sehe nicht nur ich das so, sondern auch die zwanzig Menschen vor mir in der Schlange. Wir stehen alle für die weltbesten und außergewöhnlichsten Kräppel unserer Lieblingsbäckerei im Dorf an. Vor mir steht eine kleine Prinzessin mit rosa Kleid und einer Krone auf dem Kopf. Ihre wunderschönen langen braunen Haare hat sie zu zwei Zöpfen geflochten und auch der Teddybär in ihrer linken Hand trägt passend zur Faschingszeit ein rosa Tütü. Irgendwie erinnert sie mich ein wenig an mich. Als ich klein war, stand ich selber immer als Prinzessin in der Bäckerei meiner Großmutter. Umgeben vom Duft frischer Kräppel und der Süße der Marmelade schließe ich meine Augen und atme den vertrauten Geruch der Bäckerei intensiv ein.

Puderzucker auf dem Fußboden

Wie von Zauberhand sehe ich mich wieder als Prinzessin durch die Bäckerei meiner Großmutter hüpfen. Völlig aufgedreht springe ich durch die Backstube und verteile, wie ein Blumenmädchen auf einer Hochzeit, den Puderzucker auf dem Fußboden und singe dabei „Es schneit, es schneit! Kommt alle aus dem Haus. Die Welt, die Welt sieht wie gepudert aus!“. Ich kann es kaum erwarten, bis die Eieruhr endlich klingelt und ich die frischen Kräppel mit Puderzucker bestreuen darf, falls bis dahin von meinem Puderzucker noch was übrig ist. Stolz hole ich mein eigenes kleines Sieb zum Bestreuen aus der Schublade. Ein für mich ganz besonderes Geschenk, denn das hat mir meine Oma Marie zum fünften Geburtstag geschenkt. Die Eieruhr klingelt, zeitgleich ruft meine Großmutter „Tina, Liebes, die Kräppel warten auf dich!“ und ich laufe so schnell es mir meine kleinen Füße erlauben zu den frisch gebackenen Kräppeln, um sie mit Puderzucker zu bestreuen.

Wie ein schlechter Dieb

Natürlich habe ich mir manchmal auch den einen oder anderen Kräppel stibitzt und habe mich damit in eine Ecke verkrochen. Der Duft und der Anblick waren einfach zu verlockend. Aber nicht nur den frischen Kräppeln bin ich verfallen, sondern auch die Marmelade ist hin und wieder mal vom Backtresen verschwunden. Meine Verstecke blieben aber nicht lange unentdeckt, irgendwie hat Oma Marie meine Verstecke immer gefunden. Wie ein schlechter Dieb habe ich meine Puderzucker-Fußspuren auf dem gesamten Backstubenboden hinterlassen und wurde somit oft auf frischer Tat ertappt.

Das Schellen der Türglocke bringt mich in die Realität zurück und ich bemerke, dass mich das kleine Mädchen beobachtet. Sie hat schon längst einen Kräppel in der Hand und grinst mich mit ihrem weißen Schokoladenmund an, der ihr bis zur Nase reicht. In unserer Bäckerei gibt es nämlich nicht nur die Standard-Kräppel, sondern auch Kräppel mit den unterschiedlichsten Überzügen und Pudding-, Schoko oder Eierlikörfüllung.  So ausgefallen waren die Kräppel-Sorten damals noch nicht, da gab es höchstens unterschiedliche Marmeladenfüllungen. Meine liebsten Sorten sind im Moment der Zwetschgen-Zimt-Kräppel mit weißer Schokolade und Mohn und der Kichererbsen-Pistazien-Kräppel. Klingt lecker, oder? Solltest du auch unbedingt einmal ausprobieren! Falls du Lust hast, direkt loszulegen, sind hier die Rezepte für dich.

„Der Nächste bitte!“

„Der Nächste bitte“, ruft die Verkäuferin. Ich verneige mich lächelnd vor der kleinen Hofdame und gebe meine Bestellung bei der Verkäuferin auf. Natürlich mit meinen Lieblingssorten.